UPDATE:EXPERIMENT, ich bin ja nur Hobby Forscher! 🤷🏻‍♂️

flatulenz-geldernte-experiment Windernte 18

 

Regionale Flatulenz Historie (Auszug)

1986
    •    In mehreren Artikeln wird allgemein über regenerative Energien wie Sonne und Wind berichtet.
    •    Die Texte sind stark skeptisch: Man betont, dass Windkraftwerke zwar erprobt würden (u. a. das Versuchsprojekt „Growian“), aber viele Probleme offen seien.
    •    Fazit der damaligen Haltung: Neue Energien seien interessant, aber unsicher. Die Empfehlung lautete, vorerst auf umsichtige Nutzung der Kernenergie zu setzen.

1994
    •    In Hermeskeil fand eine Informationsveranstaltung der Windkraftwerke Obere Nahe statt, bei der Projekte im südwestlichen Hunsrück (Dambach, Hoppstädten-Weiersbach) vorgestellt wurden.
    •    Argumentation: Windstrom könne ganze Dörfer versorgen, ohne Schadstoffausstoß.
    •    Hintergrund war der „Jahrhundertsommer“ mit extremer Hitze und Ozonbelastung, was den Ruf nach Alternativen befeuerte.
    •    Die Betreiber warben um Bürgerbeteiligung und Darlehen, da Banken keine Vollfinanzierung übernahmen  .

1995
    •    Thema: Beuren im Hochwald könnte die erste Windkraftanlage in der Region erhalten.
    •    Firma „Windkraft der Region Trier“ stellte Pläne für eine Anlage (300 kW) vor, mögliche Standorte: Sportplatz oder Steinkopp.
    •    Frühere Messungen hatten zu geringe Windgeschwindigkeiten ergeben, doch die Technik sei mittlerweile effizienter.
    •    Der Gemeinderat stimmte zu, ein Windmessgerät aufzustellen und ein Gutachten zu erstellen.
    •    Geplant war ein 30-jähriger Pachtvertrag, inklusive Rückbauverpflichtung nach Ende der Nutzung .

1996
    •    In Hermeskeil wurde beschlossen, vorerst keine Flächen für Großanlagen zur Windstromerzeugung auszuweisen.
    •    Grund: Bedenken im Rahmen des Bebauungsplans.
    •    Damit kam es 1996 zu einer Ablehnung weiterer Projekte in dieser Gemarkung  .

2002
    •    Beuren plante die Errichtung von Windrädern auf einer 75 ha großen Fläche entlang der Autobahn. Trotz Einwänden wegen Naturpark-Zonen setzte der Gemeinderat auf das Motto „global denken, lokal handeln“. Man hoffte auf Ausnahmegenehmigungen. Die ersten Anlagen sollten schon Ende 2003 Strom liefern .
    •    Naurath plante zwei Windräder. Ein drittes wurde abgelehnt, die Genehmigungen für die beiden ersten standen noch aus .
    •    Zeitgleich erschien ein kritischer Leserbrief/Kommentar: Windkraft sei zwar modern, decke aber nur ca. 2,3 % des Strombedarfs (10.500 Anlagen deutschlandweit). Man unterstellte den Betreibern eher Renditeinteressen als echten Umweltschutz  .

Von der vorsichtigen Skepsis der 1980er (Kernkraft statt Windkraft), über erste Bürger-Infoabende und Einzelprojekte Mitte der 1990er (Beuren, Dambach), bis hin zu konkreten Gemeinderatsbeschlüssen und heftigeren Debatten um Landschaftsbild, Renditen und Umweltschutz in den frühen 2000ern zeigt sich eine klare Entwicklung vom Experiment zur regionalen Realität – mit wachsendem Streitpotenzial.

Es ist einiges passiert hier in Rheinland-Pfalz seit Mitte/Ende der 1990er. Hier eine grobe Skizze der Entwicklung im Windkraftbereich und meine Einschätzung anhand verfügbarer Daten, wie stark Investitionen und Kapazität gewachsen sind. 

flatulenz-karte-rlp-windkraftanlagen Windernte 18

 

Entwicklung Windkraft in Rheinland-Pfalz – Überblick

Frühe Phase: 1990er bis ca. 2005

Die Anfänge: einzelne Windräder, lokale Projekte, Messe, Gutachten, Zurückhaltung im Bebauungsrecht.
In dieser Zeit war der Kapazitätszubau noch sehr moderat und viele Projekte scheiterten an Genehmigungen, Windmessungen oder fehlender Finanzierung.

Ein paar Meilensteine:
    •    Windpark Külz wurde ab 2005 entwickelt, mit Betriebsaufnahme etwa 2007.  
    •    Der Windpark Schneebergerhof in der Nähe von Gerbach existiert schon seit den 1990er Jahren (mit späterer Erweiterung).  
    •    Der Windpark Bedesbach (5 Anlagen, ca. 17,25 MW) wurde 2019/2020 realisiert, zeigt, wie aus kleinen Anfängen größere Projekte wurden.  

Diese Projekte zeigen: Übergang von Pilotinstallationen zu echten Windparks.

 

Mittlere Phase: ca. 2005 – 2020

Hier wächst das Windkraftnetz deutlich, getrieben durch EEG, Förderung, Politikdruck und zunehmendes Umweltbewusstsein.

Aus dem Statusbericht Energiewende 2023:
    •    Im Jahr 2021 waren in RLP insgesamt ca. 7,1 GW installierte Erzeugungsleistung aus Erneuerbaren (davon 3,8 GW Windkraft) vorhanden.  
    •    Um die Ziele zu erreichen, müsste die Windkraftleistung deutlich gesteigert werden (Verdopplung etc.).  
    •    Bis 2019: ungefähr 1.770 Windkraftanlagen mit knapp 3.700 MW installierter Leistung.  
    •    2019 alleine: 33 neue Anlagen mit Gesamtleistung von etwa 114 MW zugebaut.  

Diese Zahlen zeigen: Im “mittleren” Jahrzehnt war das Wachstum messbar, aber nicht rasant.

Aktuelle Phase: ca. 2020 bis heute

Das Wachstum nimmt an Fahrt auf.

Was ich recherchiert habe:
    •    Ende 2024: 1.783 Windenergieanlagen in Rheinland-Pfalz mit einer Gesamtleistung von 4.151 MW (also ~4,15 GW).  
    •    Im Jahr 2024 wurden 42 neue Windenergieanlagen mit kumulierter Leistung von 205,8 MW neu in Betrieb genommen.  
    •    Der Nettozubau 2024 betrug ~ 154 MW.  
    •    2023: Zubau von ca. 146 MW Windkraftleistung in RLP – doppelt so viel wie in 2022.  
    •    2023 war das bisher stärkste Jahr beim Zubau erneuerbarer Energien in RLP.  
    •    Landesregierung plant, die Windenergie-Kapazität bis 2030 zu verdoppeln.  
    •    Die Landesentwicklung im LEP IV sieht Änderungen vor: Abstandsregeln werden reduziert (z. B. von 1.100 m auf 900 m zu Wohnsiedlungen). Damit könnte der Flächenwiderstand und Genehmigungshürde etwas gemildert werden.  
    •    Kürzlich wurde ein Flächenportal für Windkraftplanung in RLP gestartet. Es soll Kommunen, Planern und Interessierten helfen, Ausbauflächen zu identifizieren.  

Anhand Kapazitäten und Neubauten lässt sich abschätzen, dass das Investitionsvolumen pro Jahr deutlich zugenommen hat — mit exponentiellem Einschlag zumindest in den letzten Jahren.

Ein paar Hinweise zur Größenordnung:
    •    Wenn man annimmt, dass eine moderne Windkraftanlage ~ 1,5 bis 3 Millionen Euro (je nach Größe, Standort, Netzanschluss etc.) kostet (reine Größenordnung), dann bedeuten ~200 MW Zubau in einem Jahr schon Investitionen von 300 bis 600 Mio. Euro oder mehr nur für Windkraft in RLP in einem Jahr (grob geschätzt).
    •    Der Zubau von ~146 MW allein 2023 in RLP (siehe oben) signalisiert, dass der finanzielle Einsatz stark höher liegt als zu Zeiten kleiner Pilotanlagen.
    •    Die bestehende Leistung wuchs von wenigen MW in den 1990ern auf ~4.151 MW Ende 2024 — das ist ein Anstieg um Größenfaktor Hunderte über ~25–30 Jahre.

Die Investitionsdynamik hat sich über die Jahrzehnte stark beschleunigt — von verstreuten Projekten mit Unsicherheit hin zu systematischem Ausbau mit klarer politischer Strategie (Flächenportal, Abstandslockerungen, Zielvorgaben).

Rheinland-Pfalz: Windenergie seit 2000 – was pro Jahr grob passierte

2000–2004: Anschubphase
    •    EEG 2000 kickt, erste Parks wachsen, aber alles noch kleinteilig und lokal umkämpft. Verlässliche Landes-Jahreszahlen sind für die Frühphase öffentlich kaum sauber aufgelistet; der Zubau liegt landesweit insgesamt im zweistelligen MW-Bereich pro Jahr. Politischer Rahmen: Einspeisevergütung, frühe Regionalplanung, erste Konflikte um Abstände/Artenschutz. (Allg. Kontext EEG/Frühphase: FA Wind Jahresanalysen.)  

2005–2009: Konsolidierung
    •    Mehr Projekte, bessere Turbinen, allmählicher Übergang von Einzeltürmen zu kleinen Parks. Jahresweise RLP-Spezialzahlen bleiben fragmentiert; Trends zeigen steigenden Bestand. (Zeitreihen-Diagramme RLP: Statusberichte, allerdings ohne lückenlose Jahr-für-Jahr-Tabelle für die 2000er.)  

2010–2013: Deutlicher Hochlauf
    •    Laut RLP-Statusberichten wächst die installierte EE-Leistung stark; Wind ist der dickste Brocken. Politisch: Flächensuche in der Regionalplanung, erste systematische Steuerung von Konzentrationszonen. (Zeitreihen-Chart 2010–2019)  

2014–2016: Hochphase vor Ausschreibungen
    •    Deutschlandweit starke Jahre; auch RLP legt zu. 2016 zählt bundesweit zu den stärksten Ausbaujahren der Dekade; RLP profitiert mit. (bundesweiter Kontext/Jahresbericht 2016)  

2017–2020: Delle durch Ausschreibungen, Klagen, Genehmigungen
    •    Mit EEG-Ausschreibungen, Artenschutz-Recht und Klagewellen knickt der Zubau ein. 2019/2020 bundesweit Tiefpunkte; RLP keine Ausnahme. (bundesweit 2020: zweitschwächstes Ausbaujahr seit 20 Jahren)  

2021–2022: Bodenbildung
    •    Langsame Erholung, aber Genehmigungen bleiben zäh. RLP-Status: Wind liefert den größten Anteil der regenerativen Stromerzeugung; Bestand wächst moderat. (Länderbericht/Status)  

2023: Wieder Fahrt aufgenommen
    •    RLP-Zubau Wind 2023: ca. 146 MW (netto deutlich positiv, etwa doppelt so viel Zubau wie 2022). Signal: Trend dreht nach oben.  

2024: Rebound bestätigt
    •    Bestand Ende 2024: ca. 4.210 MW, 1.844 Anlagen.
    •    Zubau 2024: 205–206 MW, 44–45 Anlagen (je nach Quelle). Kurzfassung: so viel wie seit Jahren nicht.  
    •    RLP ist bundesweit Spitzenfeld beim Wind im Wald: ~527 Anlagen auf Forstflächen (Ende 2024 Platz 2, 2023 sogar Platz 1).  

2025: Beschleunigung setzt sich fort (Stand heute)
    •    Brutto-Zubau 2025 YTD (RLP): ~185 MW (bis jetzt), 35 Anlagen. Netto-Zubau bisher ~122 MW; Genehmigungszeiten wurden laut Politik deutlich verkürzt.  

 

flatulenz-karte-rlp Windernte 18

 

Heißt übersetzt: Von „ein paar dutzend Millionen“ pro Jahr in den 2000ern ist RLP in den letzten zwei, drei Jahren in die mittlere dreistellige Millionenklasse pro Jahr hochgefahren. Der Bestand hat sich seit den 2000ern um Größenordnungen vervielfacht und liegt heute bei ~4,21 GW.  

Politische/strukturelle Hebel zuletzt
    •    Abstandsregeln gelockert (LEP-IV-Anpassungen), um mehr Flächen zu öffnen.  
    •    Flächenportal Erneuerbare gestartet, um Kommunen/Planung echte Karten in die Hand zu geben.  
    •    Genehmigungen beschleunigt, was sich 2024/2025 sichtbar im Zubau niederschlägt.  
    •    Wind im Wald: RLP ist ganz vorne mit dabei, was Flächenpotenzial und tatsächliche Turbinen auf Forst angeht.  

 

In einem Satz

Rheinland-Pfalz ist von der vorsichtigen 90er-Jahre-Testphase zu einem ~4,2-GW-Windland geworden, das 2023/24 den Ausbau deutlich beschleunigt hat und 2025 weiter Gas gibt; die jährlichen Investitionen bewegen sich inzwischen grob im mittleren dreistelligen Millionenbereich.